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Vitamin D

Versorgung:

Vitamin D wird nur in geringen Mengen mit der Nahrung aufgenommen (vor allem in fettem Fisch wie Aal). Zu 80-90 % synthetisiert der Körper Vitamin D aus der Vorstufe Provitamin D3, die in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Das wiederum funktioniert im Winterhalbjahr wegen ungenügender Strahlungsintensität nicht. In der Folge besteht eine Mangelversorgung mit Vitamin D. Die nationale Verzehrstudie 2008 schätzte einen Vitamin D-Mangel bei 91 % der Frauen und 82 % der Männer (11). Andere Studien belegten anhand der Blutspiegel des Vitamin D bei Menschen über 65 einen Mangel bei 40-100 % der untersuchten Personen (7). Von einem Mangel spricht man bei Spiegeln unter 20 ng/ml, der ideale Bereich liegt zwischen 40 – 60 ng/ml.

Funktion:

Früher galt Vitamin D wegen des Schutzes vor Osteoporose als „Knochenvitamin“. Inzwischen weiß man jedoch, dass viele Organe und Systeme Vitamin D brauchen, um reibungslos zu funktionieren (1):

Immunsystem:

Eine dänische Studie konnte zeigen, dass bestimmte Abwehrzellen im Blut sich nur bei ausreichendem Vitamin D-Spiegel vermehren (2). Übereinstimmend damit steigt das Erkältungsrisiko bei niedrigem Vitamin D-Spiegel um 40 % (3), während die vorbeugende Gabe von 1200 internationalen Einheiten (i.E.) Vitamin D3 täglich zu 40 % weniger Grippeerkrankungen unter Schulkindern führte (4).

Stoffwechsel:

Vitamin D-Mangel beschleunigt die Entstehung eines Altersdiabetes und verschlechtert die Stoffwechsellage bei bestehendem Diabetes (5).

Herz-Kreislauf-System:

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzinfarkt erhöht sich bei schwerem Vitamin-D-Mangel und die Sterblichkeit steigt (6,12,13), und zwar auch ohne vorbestehenden Diabetes (7). Weiterhin korreliert der Vitamin-D-Spiegel mit der allgemeinen und der kardiovaskulären Sterblichkeit, und das umso mehr wenn der Magnesium-Spiegel erniedrigt ist (12, 13). Auch war in einer Studie bei gleichzeitigem Vitamin-D und Magnesiummangel das Mortalitätsrisiko im Vergleich zum alleinigen Vitamin-D-Mangel um 29 % erhöht (13). In einer Untersuchung an Patienten mit Metabolischen Syndrom war ein optimaler Vitamin-D-Spiegel assoziiert mit einer um 69 % reduzierten kardiovaskulären Mortalität im Vergleich zu einem schweren Vitamin-D-Defizit (15).

Umgekehrt kann bei Pat mit Metabolischen Syndrom und Diabetes gehäuft ein Magnesium- und Vitamin-D-Mangel nachgewiesen werden (14).

Gedächtnisstörung:

Vitamin D-Mangel kann bei älteren Menschen sowohl mit Stimmungsschwankungen und Depression als auch mit Gedächtnisschwierigkeiten einhergehen (7).

Rheuma:

Die Krankheitsaktivität einer rheumatoiden Arthritis ist bei niedrigen Vitamin D-Spiegeln höher (8, 9,10). Auch bei Patienten mit anhaltenden Rücken- oder Muskelschmerzen könnten niedrige Vitamin D-Spiegel eine Rolle spielen (9).

Fazit:

Es gibt viele Studien, in denen ein Vitamin-D-Mangel mit Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde (sogenannte Beobachtungsstudien). Umgekehrt erlauben diese Studien aber keine Aussage, ob die orale Einnahme von Vitamin D diese Erkrankungen vorbeugt oder lindert. Um diese Fragen zu klären, wurden Interventionsstudien mit Vitamin D gemacht.

Nach Einschätzung der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) ist die aktuelle Datenlage hinsichtlich Vitamin-D-Gabe

überzeugend bei Sturz und Frakturprävention bei Älteren

wahrscheinlich bei Gesamtsterblichkeit und Funktionseinbußen

des Bewegungsapparat

möglich bei Reduktion des Risikos von Darmkrebs und

kardiovaskulären Erkrankungen

Es gibt somit gute Gründe, Vitamin D als Tabletten zu sich zu nehmen. Weil Vitamin D ein fettlösliches Vitamin ist, ist die Einnahme zu einer Mahlzeit geschickt. Außerdem kann es sich im Fettgewebe einlagern, falls es deutlich überdosiert wird. Daher gibt es Dosierungsempfehlungen (Konsensus Meeting Frankfurt, 10.08.2012).

Generell ist die tägliche Gabe der Depotgabe überlegen. Gewichtsabhängig bietet sich die tägliche Einnahme von 1000 - 2000 i.E. an. Bei begleitender Magnesiumgabe werden 300-500 mg täglich empfohlen.

Quellenangaben:

1. Norman AW et al.: Experimental Biology and Medicine 2010; 235, S. 1034-1045

2. von Essen MR et al.: Nature Immunology 2010; 11, S. 344-349

3. Adit A et al.: Internal Medicine 2009; 169; 384

4. Urashima M et al.: Am J Clin Nutr 2010; 91, S. 1255-1260

5. Ozfirat Z et al.: Postgrad Med J 2010; 86, S. 18-25

6. Joergensen C et al.: Diabetes Care 2010; 33, S. 2238-2243

7. Barnard K et al. (2010): Extraskeletal effects of vitamin D in older adults: cardiovascular disease, mortality, mood and cognition; Department of Medicine, Duke Universita Medical Center, USA

8. Vieira VM et al.: Environmental Health Perspectives 2010; 118, S. 957-961

9. Kelly C et al.: Ann Rheum Dis 2010; 69 (Suppl 3), S. 481

10. Idolazzi l et al.: Ann Rheum Dis 2010; 69 (Suppl 3), S. 516

11. Nationale Verzehrstudie 2008: www.was-esse-ich.de

12. Zittermann A, BMC Medicine 2013; 11:229

13. Mursu J et al., Eur J Epidemiol 2015; 30:343-347

14. Gröber U, Schmidt J, Kisters K, Nutrients 2015; 7(9): 8199-8226

15. Thomas G N et al., The Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health (LURIC) study, Diabetes Care 2012, Vol 35: 1158-1164