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Neuraltherapie:

Ursprünglich geht die Neuraltherapie auf die Brüder Huneke zurück, die sie ab 1925 entwickelt haben. Zentrale Elemente sind die Segmenttherapie und die Störfeldausschaltung.

In der Schulmedizin ist bekannt, dass sich Erkrankungen innerer Organe durch spezifische Nervenverschaltungen an für die jeweiligen Organe definierten Hautstellen (sog. Head-Zonen) bemerkbar machen können. Huneke bezeichnete zusammengehörende Head-Zonen und Organe als „Segment“ und versuchte die Nervenverschaltung zu nutzen, um umgekehrt Einfluß auf die Organe zu nehmen. Liegt also ein Schmerzzustand in einer Head-Zone vor, der bei der Untersuchung auch noch durch eine Gewebequellung- oder verhärtung (Myogelose) auffällt, so würde hier im Rahmen der Segmenttherapie lokal ein Betäubungsmittel injiziert, um heilenden Einfluß auf das Organ zu nehmen.

Durch praktische Erfahrungen nach 15 Jahren Anwendung erweiterten die Brüder Huneke die Segmenttherapie um die Störfeldtherapie. Sie vermuteten, dass verschiedene Belastungen wie eine Schwermetallbelastung, eine Narbe nach Blinddarmentfernung, psychischer Stress etc. ihre eigenen Störfelder hätten und die Summe dieser Störfelder das Faß irgendwann zum überlaufen bringen würde, so daß eine Erkrankung auftritt. In diesem Fall könnte die Beseitigung eines Störfeldes, z.B. durch Injektion eines Betäubungsmittels in die Blinddarmnarbe, die Summe der Belastungen wieder unter die kritische Grenze drücken und die Erkrankung würde verschwinden.

Die Neuraltherapie nach Huneke gehört in den Bereich der Erfahrungsmedizin, d.h., es gibt keine fundierten Studien zur Wirkung. Nichtsdestotrotz hat z.B. das „quaddeln“ weite Verbreitung bei muskulären Schmerzzuständen gefunden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass durchaus andere Erklärungsmodelle für die Wirkung des quaddelns herangezogen werden können. Am ehesten der klinischen Erfahrung entspricht dabei das Triggerpunktkonzept, welches bei akuten und chronischen Beschwerden am Bewegungsapparat Fehlbelastung und muskuläre Dysbalancen für initial auslösend hält. Dabei führt eine Tonusänderung des Muskels zu einem Muskelhartspann, wodurch ein latenter Triggerpunkt entsteht. Kommen individuelle Belastungsfaktoren hinzu, resultiert ein aktiver Triggerpunkt, der entweder bleiben, ausheilen oder chronifizieren kann. Dabei ist ein Triggerpunkt eine überempfindliche, verhärtete Stelle, die auf Druck schmerzhaft ist. Das Vorhandensein dieser Triggerpunkte an bestimmten Stellen kann z.B. für die Diagnose eines Spannungskopfschmerzes genutzt werden. Die Infiltration eines Triggerpunktes mit einem Betäubungsmittel führt zu einer zuverlässigen Schmerzreduktion. Da damit jedoch nur die Symptome und nicht die Ursachen behoben werden, kann eine Triggerpunktinfiltration immer nur Teil eines Therapiekonzeptes sein.