• Decrease font size
  • Default font size
  • Increase font size

Mikrobiologische Therapie:

Was ist das?

Die Symbioselenkung ist der Versuch, eine aus dem Gleichgewicht geratene Besiedelung des Darms mit Bakterien zu normalisieren, um dadurch z.B. Reizdarmbeschwerden zu bessern. Werden dafür lebende oder abgetötete Mikroorganismen als Arznei eingesetzt, spricht man von mikrobiologischer Therapie.

Was machen die Bakterien überhaupt?

Die Bakterien des Darms, die sogenannte Darmflora, übernehmen zahlreiche Stoffwechselleistungen für den Menschen. Dazu gehört die Synthese der Vitamine B1, B2, B6, B12 und des Vitamin K. Die Bakterien bilden Säuren (Essigsäure, Buttersäure, Milchsäure) als Gärungsendprodukte, die von der Darmschleimhaut aufgenommen werden und etwa 50 % des Energiebedarfes des Darms decken. Weitere Bedeutung haben sie für den Gallensäurestoffwechsel sowie für die Entgiftung von Nitrosaminen und polyzyklischen Kohlenwasserstoffen.

Darüber hinaus übernehmen die Bakterien wichtige Aufgaben bei der Unterstützung des Immunsystems. So wachsen sie filmbildend auf dem Darmgewebe und stellen eine Barriere gegen Fremdkeime (sog. Kolonisationsresistenz) dar. Auch die erwähnte Bildung von Gärungsendprodukten führt über die Ansäuerung des Darmmilieus zu ungemütlichen Bedingungen für unerwünschte Bakterien. Auf sehr komplexe Art interagieren die Darmbakterien mit dem darmständigen Immunsystem und trainieren es. Dabei spielen sie auch eine noch nicht verstandene Rolle bei der Entwicklung der oralen Toleranz. Im Rahmen dieser oralen Toleranz vermeidet das Immunsystem eine Sensibilisierung gegen Lebensmittel und somit die Ausprägung einer Lebensmittelallergie.

Wie kann es zu einem Ungleichgewicht der Darmkeime kommen?

Ein Ungleichgewicht der Darmkeime, eine sogenannte Darmdysbiose, kann als Folge einer Antibiotikatherapie entstehen. So kann die Reduktion der guten Darmkeime durch ein Antibiotikum die Kolonisationsresistenz ausschalten und pathogene Darmkeime können die frei gewordenen Lücken besiedeln. Ein klassisches schulmedizinisches Beispiel hierfür ist der massive Durchfall durch das Gift eines Clostridium difficile-Keimes nach Antibiotikatherapie. Auch eine falsche Ernährung kann zu einer Darmdysbiose führen. Eine fett- und proteinreiche Ernährung „füttert“ sogenannte Fäulniskeime (Clostridien, Proteus, Klebsiellen, Enterobacter) an, die für uns ungünstige Stoffwechselendprodukte (Methan, Ammoniak, Amine, Indole, Skatole, Phenole) bilden. Diese heben den pH-Wert an, wodurch unerwünschte Bakterien sich leichter ansiedeln können. Außerdem werden sie z.T. in den Körper resorbiert und beanspruchen dann die Entgiftungsfunktion der Leber.

Im Gegenzug profitieren „gute“ Bakterien (Lactobacillen, Bifido-Bakterien, Enterokokken) von einer ballaststoffreichen Ernährung, die zu Stoffwechselendprodukten führt, die den pH-Wert senken und die Schadstoffbelastung der Leber reduzieren.

Was können die Folgen einer Darmdysbiose sein?

Möglich sind Beschwerden in Zusammenhang mit dem Immunsystem und mit dem Darm.

Eine Störung der immunmodulatorischen Funktionen der Darmflora hat Auswirkungen auf das gesamte darmassoziierte Immunsystem, das immerhin wegen der enormen Kontaktfläche des Darms zur Außenwelt (300 – 500 Quadratmeter) allein 80 % des gesamten lymphatischen Abwehrsystems umfaßt. Folgen können z.B. eine verstärkte Infektanfälligkeit sein.

Im Darm selbst kann es durch veränderte Abbauwege zu vermehrter Gasbildung mit Blähungen und Völlegefühl kommen. Im Rahmen einer sehr kleinen Studie mit 111 Reizdarmpatienten konnte gezeigt werden, dass 84 % dieser Patienten ein starkes Ungleichgewicht der Darmflora hatten.

Wie kann eine Darmdysbiose therapiert werden?

Generell sollten ggf. vorhandene auslösende Faktoren wie z.B. eine falsche Ernährung beseitigt werden. Darüber hinaus lohnt sich ein Versuch, mit Probiotika die Beschwerden zu lindern. Dazu stehen Präparate sowohl mit lebensfähigen Darmkeimen als auch solche mit abgetöteten Darmkeimen zur Verfügung. Hierbei ist jedoch Geduld von Nöten, da zum einen jeder Mensch auf andere Präparate anspricht, und da zum anderen eine mikrobiologische Therapie per se langwierig ist. Das liegt daran, dass man versucht, die bakterielle Besiedelung der Darms zu modifizieren, was heißt, das vorhandene „schlechte“ Bakterien von den zugeführten „guten“ Bakterien verdrängt werden sollen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die „guten“ Keime anzufüttern, um den pH-Wert des Darmes zu senken und das Milieu für die „guten“ Keime so kontinuierlich zu verbessern.

Welche Wirkungen einer mikrobiologischen Therapie sind belegt?

Die Studienlage hinsichtlich der mikrobiologischen Therapie zeigt zweifelsfrei folgende Wirkungen:

- Immunstärkung

- Immunmodulation bei allergischen Erkrankungen

- Antiendzündliche Wirkung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

- Antidiarrhoische Wirkung